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September 2019: Inklusive Berufsorientierung an der Biesalski-Schule

An der Biesalski-Schule in Berlin – einer Grundschule, integrierten Sekundarschule und Berufsschule mit sonderpädagogischer Aufgabe – wird Inklusion und Berufsorientierung großgeschrieben. Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarfen in der körperlichen und motorischen Entwicklung,  im Lernen, in der Sprache, in der emotional-sozialen Entwicklung oder im Autismus werden hier ganzheitlich bei der Entwicklung ihrer individuellen Persönlichkeit unterstützt und auf die besonderen Anforderungen ihrer zukünftigen Lebens- und Arbeitswelt vorbereitet.
„Die Berufsorientierung ist nicht an ein spezielles Unterrichtsfach gebunden, sondern versteht sich als fächerübergreifende Aufgabe“, so Martin Stadler, Dipl.- Sozialarbeiter an der Biesalski- Schule. Der Erwerb von berufsrelevanten Kompetenzen, wie Leistungsbereitschaft, Pünktlichkeit, Kommunikationsfähigkeit, Selbstständigkeit sowie Verantwortungs- und Konfliktfähigkeit, spielt durchgängig eine zentrale Rolle. In Auseinandersetzung mit ihren Beeinträchtigungen werden die Jugendlichen sowohl gefördert als auch gefordert, begleitet und unterstützt. Um eine gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, initiiert die Schule eine Vielzahl von inklusiven Projekten zur Berufsorientierung.
Fester Bestandteil des BO-Konzepts der Schule ist beispielsweise eine einwöchige Projektwoche, die für die verschiedenen Jahrgangsstufen einmal pro Schulhalbjahr stattfindet. In der 7. Klasse lernen die Schülerinnen und Schüler unter anderem an verschiedenen sogenannten Stationsbetrieben innerhalb der Klassenräume spielerisch ihre Interessen und Fähigkeiten kennen: Soma-Würfel werden gelöst, es werden verschiedenste Maße genommen, Schrauben sortiert, gerechnet oder  Überweisungsträger ausgefüllt. Darüber hinaus sammeln sie in einem eintägigen Schnupperpraktikum erste Erfahrungen in der realen Arbeitswelt – entweder auf der Arbeitsstelle ihrer Eltern oder in einer der Schülerfirmen der Lehrgänge der integrierten Berufsausbildungsvorbereitung innerhalb der Schule (Garten- und Landschaftspflege, Hauswirtschaft / Ernährung, Sozialwesen, Wirtschaft und Verwaltung).
In der 8. Jahrgangsstufe besuchen die Schülerinnen und Schüler dann innerhalb der Projektwochen verschiedene Ausbildungswerkstätten oder machen ein Praktikum in einer Behindertenwerkstatt, in privatwirtschaftlichen Betrieben, bei freien Trägern oder ebenfalls in einer der Schülerfirmen der IBA-Lehrgänge. Eine Zusammenarbeit mit dem Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin ist noch in der Erprobung: hier werden mit den Jugendlichen Potenzialanalysen und die anschließenden Werkstatttage durchgeführt, innerhalb derer sie drei verschiedene Berufsfelder kennenlernen.
Ein Bestandteil des Berufsorientierungskonzepts in der 9. Klasse ist neben einem dreiwöchigen Betriebspraktikum die Durchführung des Simulationsspiels „Spiel das Leben“. Hier simulieren die Schülerinnen und Schüler während der gesamten Projektwoche den Berufsalltag einer zufällig gewählten Berufsgruppe. Sie sammeln Informationen über die Tätigkeit und das Einkommen, setzen sich mit der Kalkulation von Einnahmen und(alltäglichen) Ausnahmen auseinander oder lernen wie mit Krankheits- und Kündigungsfällen umgegangen wird.
Für die 9. und 10. Klassen sowie für die IBA- Lehrgänge der Schule wird darüber hinaus der eintägige Markt der Berufe organisiert, an dem rund 22 regionale Betriebe verschiedenster Berufsfelder und 200 Schülerinnen und Schüler der umliegenden Schulen teilnehmen. An jeder Station der teilnehmenden Betriebe können Tätigkeiten ausgeübt werden, Informationen gesammelt, Beratungen eingeholt, Fähigkeiten entdeckt und ausprobiert sowie Kontakt zu den Betrieben aufgenommen werden. Anhand von Fragebogen können die Jugendlichen selbstständig diese Erfahrungen für sich festhalten und auswerten.
Parallel dazu werden für diese beiden Jahrgangsstufen Berufswegekonferenzen durchgeführt. Innerhalb von 45 Minuten wird hier eine konkrete und individuelle Förderplanung für jeden Schüler und jede Schülerin für den Übergang Schule-Beruf erstellt, bei der die Wünsche und Fähigkeiten jedes Einzelnen berücksichtig werden. So können Berufswahlmöglichkeiten individuell überprüft und durch entsprechende Praktika in der 10. Jahrgangsstufe untermauert werden. Teilnehmende der Konferenz sind neben den Jugendlichen auch die Erziehungsberechtigten, Beschäftigte der WG- oder Einzelfallbetreuung, das Jugendamt, die Schulleitung, Lehrkräfte und Beschäftigte der Reha-Abteilung der Agentur für Arbeit.
Eine ganzheitliche, kontinuierliche, individuelle und integrative Berufsorientierung ist für alle Beteiligten und Partner der Biesalski-Schule eine Selbstverständlichkeit und fest im Leitbild verankert. 

Weitere Informationen zu dem integrativen Förderprogramm der Schule finden Sie hier

Fragen zu diesem Beispiel können Sie an folgenden Kontakt richten: 

Martin Stadler
Dipl. Sozialarbeiter und -pädagoge
Mail: stadler@hz-bb.de