„Erkunde neue Welten“ dient dazu, verschiedene Berufswelten transparent zu machen. Die Schüler bereiten zusammen mit den Lehrkräften eine Exkursion in eine Berufswelt vor. Eine Berufswelt kann z.B. ein Unternehmen sein. Vor Ort führen die Schüler kurze Interviews mit Mitarbeitern und filmen diese mit ihrem Smartphone. Außerdem wird eine typische Tätigkeit des Berufes als Film festgehalten. Am Ende entstehen zwei kurze Handyvideos (Interview und Tätigkeit). Zur Nachbereitung der Exkursion führen die Schüler ihre erfassten Berufe und Videos den anderen Schülern im Unterricht vor.

Die Zielgruppe von „Erkunde neue Welten“ sind Schüler im fortgeschrittenen Berufsorientierungsprozess (ab Klasse 9) aller Schulformen.

Für die gesamte Durchführung inklusive Vorbereitung, Exkursion und Nachbereitung sollten 3-4 Unterrichtstage eingeplant werden. Am besten geeignet wäre „Erkunde neue Welten“ im Rahmen einer Projektwoche an der Schule.

Durch „Erkunde neue Welten“ werden Berufe praxisnah und mit viel Eigeninitiative der Schüler erlebbar gemacht. Gleichzeitig werden Berufe für die Schüler transparenter und die gedrehten Videos sind nachhaltig und für nachfolgende Schulklassen relevant. Der Einsatz der eigenen Handys motiviert die Schüler und fördert digitale Kompetenzen abseits des Privatgebrauchs.

Alternativmöglichkeit:

Anstatt die Erlebnisse der Berufswelt mit dem Handy festzuhalten, können die Schülergruppen ein kurzes Theaterstück / Rollenspiel nach ihrer Erkundung durchführen. Die Schüler sind dabei selbst verantwortlich für Drehbuch, Kostüme, Kulisse, etc.

  • Kooperationspartner / Unternehmen mit möglichst vielen facettenreichen Berufen (z.B. kaufmännischer und technischer Bereich). Je nach Gruppengröße bietet es sich an mehrere Unternehmen / Branchen zu akquirieren, um eine große Bandbreite an Berufen abzudecken.
  • Regeln für den Einsatz der privaten Geräte im schulischen Kontext („Bring Your Own Divice“) u.a. Haftungsausschluss der Schule für Verlust, Diebstahl oder Beschädigung der Geräte.
  • Technische Ausstattung an der Schule (Smartboard bzw. Laptop und Beamer). Für fortgeschrittene Gruppen ggf. Software zur Videobearbeitung.

1. Suche und Ansprache von Unternehmen, die bereit sind, eine Erkundungstour bei sich durchzuführen

Kontakte zu Unternehmen können z.B. über die Schule oder über Elternteile hergestellt werden. Wichtig ist, dass ein fester Ansprechpartner im Unternehmen für die Exkursion bereitsteht. Informieren Sie das Unternehmen genau über das Vorhaben und die Absicht, Mitarbeiter zu interviewen und diese zu filmen. Lehrkraft und Unternehmensvertreter teilen die Schülergruppen vorab einzelnen Mitarbeitern und Berufen zu.

Wichtig: Die Mitarbeiter müssen über die Videoaufnahme vorab informiert sein. Es sind klare Regeln notwendig, wofür die Aufnahmen verwendet werden. Eine Veröffentlichung im Internet ist nur nach schriftlicher Einverständniserklärung des Unternehmens und der Mitarbeiter möglich!

2. Vorbereitung der Erkundungstour

Vor der Erkundungstour sammeln die Schüler Informationen über das Unternehmen, das sie besuchen. Dies kommt der Vorbereitung auf eine Exkursion gleich.

Zusätzlich zu der Recherche sollen alle Schüler zusammen einen Fragebogen entwickeln – maximal sechs Fragen, die sie später den Mitarbeitern im Unternehmen stellen. Der Fragebogen ist für alle Gruppen gleich. Mögliche Fragen sind:

  • Was ist das Beste an deinem Job?
  • Welche Voraussetzungen muss man für den Job mitbringen?
  • Welche Tätigkeit machst du in deinem Job am liebsten?

Die Schüler sollen keine vom Fragebogen abweichenden Fragen stellen und die Reihenfolge der Fragen einhalten. Von Fragen über das Gehalt oder Negativerlebnisse im Beruf ist abzuraten!

Nach Erstellung des Fragebogens bilden die Schüler „Interviewgruppen“ von maximal fünf Personen. In diesen Gruppen führen sie später die Interviews im Unternehmen durch. Vorab müssen sich die Schüler einigen, von welchem Gerät aus das Interview gefilmt werden soll. Für den Notfall sollten die Gruppen ein Ersatzgerät bestimmen. Die Gruppe legt selbst fest, wer welche Interviewrolle einnimmt: Wer stellt die Fragen? Wer filmt das Interview?

Anschließend führen die Gruppen eine „Generalprobe“ durch, bei der sie die Situation testen. Die Proben filmen die Schüler, um die Ton- und Bildqualität zu überprüfen und daraus zu lernen.

Tipp: Die Gruppen erlangen Inspirationen und Tipps durch die Recherche von Interviewsituationen aus dem Internet. So können die Schüler z.B. feststellen, dass die fokussierte Person in Interviews in der Regel nicht direkt in die Kamera guckt. Die Person fixiert den Fragensteller, der unmittelbar neben der kameraführenden Person sitzt und im Bild nicht zu sehen ist. Inspiration für gute Interviews gibt es z.B. hier: www.watchado.de

Neben dem Interview erstellen die Gruppen ein kurzes Video (max. 2-3 Minuten) einer typischen Berufstätigkeit der interviewten Person. Diese sollen eher spontan und ohne große Vorbereitung entstehen. Dennoch müssen die Mitarbeiter / Interviewpartner darüber im Vorfeld informiert sein.

Die Lehrkräfte stimmen mit den Unternehmensansprechpartnern den Ablauf der „Erkundungstour“ ab.

3. Beim Unternehmen vor Ort

Kernelement des Unternehmensbesuches ist die Erstellung der Videos. Der Ablauf kann so eingeteilt werden, dass zusätzlich Zeit für eine Unternehmenspräsentation und andere Exkursionselemente bleibt.

Die Interviews führen die Schüler in den festgelegten Kleingruppen durch. Idealerweise holen die Interviewpartner die Gruppen ab und führen diese zu ihrem Arbeitsplatz. Dies kann z.B. die Werkstatt, das Büro, die Küche oder jede andere Arbeitsumgebung sein. Vor dem Interview führt der Mitarbeiter die Gruppe rum und erzählt von dem eigenen Aufgabenbereich. Am authentischsten ist die Durchführung des Interviews in der unmittelbaren Arbeitsatmosphäre, wenn die Umgebung / Geräuschkulisse dies zulässt.

Nach dem Interview überprüft die Gruppe, ob die Aufnahme und der Ton in Ordnung sind. Zur Not ist eine Wiederholung notwendig.

Nach dem Interview filmen die Schüler den Mitarbeiter bei einer typischen Berufstätigkeit (max. 2-3 Minuten). Kommen in diesem Zusammenhang weitere Personen in dem Video vor, muss auch hier auf das Einverständnis geachtet werden. Der gefilmte Mitarbeiter darf im Video gerne seine Arbeitsschritte erläutern.

4. Nachbereitung der Erkundungstour – Filmepremiere

Die Videos werden bis zum Nachbereitungstag und der „Filmepremiere“ nicht zwischen den Gruppen getauscht oder vorab gezeigt. Nur die Lehrkraft sammelt alle Videos von den Gruppen ein. Um große Dateien zu teilen bietet sich z.B. die kostenlose Plattform www.wetransfer.de an.

Je nach Zeit, technischer Ausstattung und Kenntnisstand der Schüler können die Gruppen ihre Filme in der Rohversion abgeben oder diese vorher mit einem Programm bearbeiten.

Die Interviews und Kurzfilme werden hintereinander geguckt. Zwischen den Gruppen sollte Zeit sein Feedback von den Schülern einzuholen oder eine Kurzpräsentation zum gezeigten Beruf einzuschieben.

5. Nutzbarmachung der Filme für nachfolgende Jahrgänge

Die erstellten Filme sollten nach der „Premiere“ keinesfalls in der „Schublade“ verschwinden. Das Material ist für nachfolgende Schüler und Jahrgänge nutzbar. Es wird empfohlen, dass die pädagogische Fachkraft eine Art „Film-Bibliothek“ anlegt und die Filme der Schüler archiviert. Interessiert sich ein Schüler bspw. für ein Praktikum in einem der besuchten Unternehmen, kann dieser mittels der Videos erste Eindrücke sammeln.